Zwei alte Herren

Oder: Worauf es wirklich ankommt.

Die Köpfe

Kahl geworden.

Die Jünglings-Locken

Durch Falten ersetzt.

Was einst blond war

Verborgen

In ihrer Seele.

Die besonders viel weiß

Von einer tiefen Freundschaft.

 

Das Gebiss

Scheinbar makellos.

Täuscht nur

Den flüchtig Betrachtenden.

Wie auch Kleidung und Gesicht

Von Erfolg und Sattheit künden.

Aber Augen und Stimme

Verraten mehr:

Von Stürmen und Kämpfen

Von Verzagen und Auferstehn.

So ist da immer noch:

Ehrlichkeit.

 

Die Umarmung

manchmal

Nur noch flüchtig.

Gespräche

Zwischen Tiefe und Beliebigkeit.

Leichter wäre es

Im dynamischen Tun

Innere Trägheit

zu überspielen.

Und doch pflegen sie

Zweisame Rituale.

Im Herzen Zärtlichkeit

Zwischen Freunden.

 

Ein jeder von ihnen

Wie ein tanzendes Atom.

Allmählich verblassend

Im Zeitenstrom.

Verschränkte Teilchen

Wo auch immer sie stehn.

Mehr Gewissheit

Ist nicht zu finden

Im Werden und Vergehn.

 

Bernd Werner, Lieder der Sehnsucht, 02.12.2019